Der Import
Dass die Kanarischen Inseln nicht gerade um die Ecke sind, müssen wir wohl niemandem erklären. Und dass sie von viel Wasser umgeben sind auch nicht. Aber diese beiden Fakten spielen eine entscheidende Rolle, wenn wir Weine importieren.
Als wir Vinos de Canarias 2011 übernommen haben, konnten wir zu beliebigen Zeiten einzelne Paletten Wein einkaufen. Das ging über sogenannte Sammeltransporte, unsere Ware wurde mit Waren und Gütern verschiedener Absender in einen Seecontainer geladen, nach Deutschland gebracht und dort an die verschiedenen Empfänger verteilt. So konnten wir über das Jahr verteilt immer dann bei unseren Partner-Bodegas einkaufen, wenn die Weine dieses Weingutes bei uns nahezu vergriffen waren.
Das hat funktioniert bis die Corona-Pandemie 2020 alles durcheinander brachte. Plötzlich gab es diese Sammeltransporte nicht mehr, weil kaum noch Waren und Güter von den Kanaren nach Deutschland transportiert werden mussten.
Es blieb uns gar nichts anderes übrig, als unseren eigenen Seecontainer zu organisieren.
Anstatt einer Palette mussten wir nun 10 Paletten Wein einkaufen, denn nur ein voller Container ist wirtschaftlich zu transportieren. Das war für unser kleines Unternehmen auch finanziell eine Herausforderung, die wir aber mit überwältigender Unterstützung unserer Kunden bewältigt haben.
Die Sammeltransporte sind auch nach der Pandemie nicht wieder im vorherigen Umfang verfügbar, weshalb wir bis heute ganze Container importieren. Das bedeutet aber auch, dass es "Nachschub" nur 1-2x im Jahr gibt.
Wie wir unseren Seecontainer zusammenstellen, haben wir im Artikel Unser Einkauf beschrieben. Wenn feststeht, welche Weine von welchen Weingütern wir einkaufen, müssen alle Paletten zu unserem Logistik-Partner in Santa Cruz de Tenerife gebracht werden. Einige Bodegas liefern die Ware selbst dorthin, bei anderen lassen wir sie abholen.
Wenn alle Paletten angeliefert sind und auch alle Rechnungen und einige weitere Papiere beim Spediteur vorliegen, wird die Ware verzollt. Die Kanarischen Inseln gehören zwar zu Spanien und damit auch zur EU, aber umsatzsteuerrechtlich sind sie Drittland und das macht die Sache kompliziert. Deshalb muss alles, was die Kanarischen Inseln verlässt, beim Zoll angemeldet werden.
Hinzu kommt, dass Ware, die auf See transportiert wird, nicht mehr als Transport innerhalb der EU gilt, ganz egal, ob überhaupt ein Hafen eines Nicht-EU-Staates angelaufen oder das Seegebiet der EU verlassen wird. Deshalb muss unsere Ware bei Ankunft in Deutschland erneut zum Zoll, denn dann ist es eine Einfuhr von außerhalb der EU.
Und dann sprechen wir hier ja von Alkohol, es gibt also neben der Umsatzsteuer auch noch eine Verbrauchsteuer und eine Schaumweinsteuer. Die Verbrauchsteuer auf Wein ist in Deutschland zwar bei 0%, aber in anderen EU-Staaten ist das anders. Deshalb ist es auch wichtig, über welchen Hafen wir die Ware importieren. Eine Einfuhr über die großen Häfen in den Niederlanden und Belgien machen die Sache schon wieder komplizierter, denn in beiden Ländern gibt es eine Verbrauchsteuer auf Wein, die unter gewissen Umständen ausgesetzt, in manchen Fällen aber auch entrichtet werden muss.
Die Unterlagen der Einfuhrverzollung werden sehr detailliert mit der Ausfuhrverzollung auf den Kanaren abgeglichen und jede Abweichung - und sei sie noch so unerheblich - führt zu Nachfragen und Verzögerungen.
Sowohl auf den Kanaren, als auch beim Einfuhrzollamt kann es vorkommen, dass eine Besichtigung angefordert wird. Dann muss der Container geöffnet werden und ein Zollbeamter prüft die Ware persönlich.
Ist der Container vom Einfuhrzollamt freigegeben, wird er uns angeliefert, wir dürfen ihn öffnen und leeren. Dabei müssen wir uns beeilen, denn die Reederei, die uns den Container "leiht", möchte ihn schnell zurück haben und verlangt eine Gebühr ab einer gewissen Zeit, die wir zu lange brauchen. Die Frist beginnt mit dem Entladen vom Schiff, die Tage, die der Container beim Zoll verbringt, zählen also bereits mit.
Von der Anlieferung der Ware in Santa Cruz bis zum Entladen bei uns vergehen so gerne mal 4-6 Wochen, obwohl der reine Transport auf dem Seeweg nur etwa 10 Tage in Anspruch nimmt. Insbesondere die Bearbeitungszeiten beim Zoll sind für uns nicht vorhersehbar. Deshalb kommt es vor, dass wir die anfänglich genannten Lieferzeiten nicht einhalten können. Manchmal ist die Ware früher da als erwartet oder sie kommt erst später an.




